Stadt Burghausen • Landkreis Altötting
Eigentümer: Freistaat Bayern – verwaltet durch die Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen
Hoch über der Salzach erstreckt sich die Burg zu Burghausen auf einem schmalen Höhenrücken zwischen Altstadt und Wöhrsee und gilt mit einer Gesamtlänge von 1.051 Metern als längste Burganlage der Welt
HISTORIE Die Ursprünge der Burg reichen vermutlich bis in die Bronze- oder frühe Eisenzeit zurück. Spätestens im 11. Jahrhundert bestand auf dem langgezogenen Bergrücken eine befestigte Anlage der Grafen von Burghausen.
Nach dem Aussterben der Grafen gelangte die Burg im Jahr 1168 an die Wittelsbacher. In den folgenden Jahrhunderten entwickelte sich Burghausen zu einem der wichtigsten Herrschafts- und Verwaltungszentren Altbayerns.
Besonders im 13. bis 15. Jahrhundert wurde die Burg umfassend ausgebaut. Unter den niederbayerischen Herzögen entstand eine weitläufige Festungsanlage mit mehreren Burghöfen, Toranlagen und Wehrbauten.
Während der Zeit des Teilherzogtums Bayern-Landshut diente Burghausen zeitweise als zweite Residenz der Herzöge. Gleichzeitig gewann die Burg durch den Salzhandel entlang der Salzach große wirtschaftliche Bedeutung.
Nach der Wiedervereinigung Bayerns im Jahr 1505 blieb Burghausen weiterhin ein wichtiger Verwaltungs- und Militärstandort. Die Festungsanlagen wurden nochmals verstärkt und an neue militärische Anforderungen angepasst.
Im Laufe des 18. und 19. Jahrhunderts verlor die Burg zunehmend ihre strategische Bedeutung. Teile der Anlage wurden militärisch, verwaltungstechnisch oder wirtschaftlich genutzt.
Anders als viele andere Burgen blieb Burghausen jedoch weitgehend erhalten. Umfangreiche Restaurierungen im 20. Jahrhundert sicherten die historische Bausubstanz.
Heute zählt die Burg Burghausen zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten Bayerns und beherbergt unter anderem Museen, Veranstaltungsräume und kulturelle Einrichtungen.
ARCHITEKTUR Die Burg Burghausen gilt mit einer Gesamtlänge von über einem Kilometer als längste Burganlage Europas. Sie besteht aus sechs hintereinanderliegenden Burghöfen, die sich entlang des schmalen Höhenrückens erstrecken.
Besonders charakteristisch sind die mächtigen Mauern, Tortürme, Wehrgänge und Bastionen, die der Anlage bis heute ein beeindruckendes Erscheinungsbild verleihen.
Der erste Burghof bildet mit dem Hauptschloss und den repräsentativen Wohngebäuden das historische Zentrum der Anlage. In den folgenden Höfen dominierten Wirtschafts-, Verwaltungs- und Verteidigungsbauten.
Mehrere Bauphasen aus Romanik, Gotik und Spätmittelalter prägen das heutige Erscheinungsbild der Burg. Besonders eindrucksvoll wirken die langen Wehrmauern entlang des Bergrückens über der Salzach.
Durch die außergewöhnliche Lage zwischen Fluss, See und Altstadt zählt Burghausen zu den markantesten Burganlagen Mitteleuropas.
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Der langgestreckte Bergrücken zwischen Salzach und Wöhrsee war bereits in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt. Eine erste steinerne Burganlage entstand jedoch erst im Mittelalter.
Von 1027 bis etwa 1164 verwalteten die Grafen von Burghausen das Reichsgut. Sie gehörten zum weitverzweigten Geschlecht der Sighardinger und ließen an der Südspitze des Höhenrückens eine steinerne Burg mit Ringmauer und Kirche errichten. Reste dieser Anlage aus dem 11. und frühen 12. Jahrhundert wurden bei archäologischen Untersuchungen wiederentdeckt. Nach einer kurzen Zeit unter dem Welfenherzog Heinrich dem Löwen gelangte Burghausen 1180 an die Wittelsbacher.
Für die Entwicklung der heutigen Burg war vor allem die erste bayerische Landesteilung von 1255 entscheidend.
Herzog Heinrich XIII., der Begründer der niederbayerischen Linie der Wittelsbacher, residierte hauptsächlich auf der Trausnitz in Landshut und ließ Burghausen zu einer zweiten herzoglichen Residenz ausbauen. In dieser Zeit entstanden wesentliche Teile der Hauptburg mit Palas, Kemenate und Dürnitz. Anders als Landshut war Burghausen weniger Regierungssitz als geschützter Wohnort der herzoglichen Familie. Hier lebten die Gemahlinnen der Herzöge mit ihrem Hofstaat, hier wurden die Kinder erzogen, und zeitweise diente die Burg auch als Wohnsitz des Erbprinzenpaares oder als Witwensitz.
Die Anlage wuchs während des 13. und 14. Jahrhunderts weit über die ursprüngliche Kernburg hinaus. Schon 1387 ist ihre Ausdehnung bis zum nördlichen Ende des Bergrückens urkundlich belegt. Damit hatte sie bereits damals eine Länge von mehr als einem Kilometer erreicht. Die einzelnen Abschnitte waren durch Gräben und Toranlagen voneinander getrennt. Neben der Hauptburg entstanden fünf Vorhöfe mit Wohngebäuden, Werkstätten, Stallungen, Speichern und Verteidigungsanlagen. Im Ernstfall konnte jeder dieser Höfe als eigener Befestigungsabschnitt verteidigt werden.
Ihre bis heute prägende Gestalt erhielt die Burg im 15. Jahrhundert unter den sogenannten Reichen Herzögen von Bayern-Landshut: Heinrich XVI., Ludwig IX. und Georg dem Reichen.
Unter Heinrich wurde um 1430/40 unter anderem der Rittersaal für die vergrößerte Hofhaltung erneuert. In den Vorhöfen entstanden große Wirtschafts- und Versorgungsbauten wie das Zeughaus und der Haberkasten. Die Burg war zu dieser Zeit nicht nur Wohnsitz, sondern zugleich sicherer Aufbewahrungsort für den beträchtlichen Gold- und Silberschatz der Landshuter Herzöge. Auch hochrangige Gefangene wurden hier festgesetzt. Zu ihnen gehörte Herzog Ludwig der Gebartete von Bayern-Ingolstadt, den sein Vetter und Gegner Heinrich der Reiche 1446 nach Burghausen bringen ließ. Ludwig starb am 2. Mai 1447 als Gefangener auf der Burg.
Besonders eng ist die Burg mit Herzog Georg dem Reichen und seiner Gemahlin Hedwig von Polen verbunden. Georg hatte Hedwig 1475 bei der berühmten Landshuter Hochzeit geheiratet und lebte zunächst als Erbprinz in Burghausen. Nach seinem Regierungsantritt 1479 ließ er die Anlage nochmals umfassend ausbauen und verstärken. Im Palas wurden die Wohnräume neu gestaltet; für Hedwig entstanden eigene Gemächer und Räume für ihren weiblichen Hofstaat.
Zwischen 1479 und 1489 wurde im vierten Vorhof die äußere Burgkapelle St. Maria errichtet, die heute meist Hedwigskapelle genannt wird. Sie zählt zu den bedeutenden spätgotischen Bauten der Anlage. Ebenfalls aus dieser Ausbauphase stammt das monumentale Georgstor mit dem bayerisch-polnischen Allianzwappen des Herzogspaares.
Gleichzeitig wurde das Verteidigungssystem erheblich verstärkt. Mauern, Tore, Türme und Gräben der fünf Vorhöfe bildeten hintereinander gestaffelte Sperren, hinzu kamen äußere Befestigungen am Eggenberg. Der Aufbau der Burg war damit keineswegs zufällig: Je weiter man sich der Hauptburg näherte, desto stärker war der Zugang gesichert. Der zweite Vorhof beherbergte mit Zeughaus und Büchsenmeisterturm einen Schwerpunkt der militärischen Ausstattung, während im dritten Vorhof Stallungen sowie große Speicher für Futter und Vorräte lagen. Die eigentliche Hauptburg war schließlich durch Halsgraben, Torzwinger, Schildmauer und Bergfried geschützt.
Mit dem Tod Georgs des Reichen 1503 endete die Linie Bayern-Landshut im Mannesstamm. Der darauf folgende Landshuter Erbfolgekrieg führte 1504/05 zur Neuordnung der bayerischen Herzogtümer. Burghausen verlor damit seine Funktion als zweite Residenz eines eigenständigen niederbayerischen Herzogtums.
Die Burg blieb jedoch landesherrlicher Verwaltungs- und Militärstandort. Teile der ehemaligen Wohnräume wurden später verändert und insbesondere im 18. Jahrhundert für die Nutzung als Kaserne umgebaut. Die wehrhafte Anlage blieb auf diese Weise in Gebrauch, auch wenn ihre Bedeutung als fürstlicher Wohnsitz längst beendet war.
Bemerkenswert ist vor allem, wie vollständig sich der Aufbau der mittelalterlichen Burg erhalten hat. Die mehr als einen Kilometer lange Anlage besteht aus der Hauptburg und fünf vorgelagerten Höfen und vermittelt noch heute sehr anschaulich, wie eng höfisches Leben, Verwaltung, Versorgung und Verteidigung in einer spätmittelalterlichen Residenzburg miteinander verbunden waren. Palas, Kemenate und Dürnitz dienten der herzoglichen Familie und ihrem unmittelbaren Hofstaat, während sich in den vorgelagerten Höfen unter anderem Zeughaus, Stallungen, Speicher, Werkstätten und Wohnungen der Bediensteten befanden. Gerade diese fast vollständig erhaltene Abfolge der einzelnen Burgbereiche macht Burghausen innerhalb der bayerischen Burgenlandschaft ungewöhnlich.
Foto: © Marion Creyaufmüller
Die Hauptburg von Österreich aus gesehen
Foto: © Marion Creyaufmüller
Torgebäude zum zweiten Vorhof mit Büchsenmacherturm
Foto: © Marion Creyaufmüller
Wehrmauer und Turm der weitläufigen Befestigungsanlage der Burg Burghausen
Foto: © Marion Creyaufmüller
Im vierten Vorhof der Burg befindet sich die äußere Burgkapelle St. Maria, genannt Hedwigskapelle die 1479 bis 1489 unter Herzog Georg von Wittelsbach und seiner Gemahlin Hedwig erbaut wurde
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Staatliches Burgmuseum
in der Hauptburg mit den herzoglichen Wohnräumen und einer Filialgalerie der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen; Aussichtsplattform auf dem Palas
Öffnungszeiten:
29. März-3. Okt: tägl 9-18 Uhr; 4. Okt-28. März: tägl 10-16 Uhr
(Das Museum ist lediglich am 1. Januar, Faschingsdienstag, 24., 25. und 31. Dezember geschlossen)
Führungen:
Sa + So 10.30 + 13 Uhr; Dauer: etwa 90 Minuten (Anmeldung erforderlich)
fon +49-8677-4659
Die Besichtigung des Staatlichen Burgmuseums mit Staatsgalerie ist auch ohne Führung möglic
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Stadtmuseum Burghausen
Geschichtsmuseum von überregionaler Bedeutung in den Räumen der Kemenate; umfangreiche Sammlungen des 1899 gegründeten Museums bieten einen eindrucksvollen Überblick über die Geschichte, Kunst und Kultur Burghausens und seiner Umgebung
Öffnungszeiten:
1. Apr bis 3. Okt täglich 9-18 Uhr; 15-31. März und 4. Okt bis Ende der bayerischen Herbstferien tägl 10-16 Uhr
Führungen:
zu verschiedenen Themen; Kinder und Jugendliche können das Stadtmuseum spielerisch und aktiv beispielsweise mit einem Museumsrätsel entdecken
fon +49-8677-65198
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Haus der Fotografie – Dr. Robert-Gerlich-Museum
im Rentmeisterstock (Fünfter Vorhof) am Anfang der Burg; Geschichte der Fotografie in Bild und Technik, Historische Stadtansichten, Galerie für Zeitgenössische Fotografie, Sonderausstellungen
Öffnungszeiten:
10. März – 3. Nov, Mo-So+FT 10- 18 Uhr
fon +49-8677-4734
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Foltermuseum
im alten Schergen- oder Folterturm; privat betriebenes Museum, bei dessen Exponaten es sich fast ausschließlich um Nachbauten handelt, da von der Burghauser Burg fast keine Folterinstrumente erhalten sind
fon +49-8677-64190
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Veranstaltungen
Weihnachtsmarkt mit Rahmenprogramm, Verkaufsausstellungen (Gartenlust, Winterlust), Open-Air-Veranstaltungen, Historische Burgfeste, Themenführungen, Konzerte, Ausstellungen
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Gaststätte „Burgcafé“
in der ehemaligen Pfisterei im ersten Vorhof der Burg; frisch gebackenes Brot, köstlichen Kleinigkeiten, hausgemachten Kuchen und Torten
fon +49-8677-877340
www.burgcafe-burghausen.de
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Mietbare Räume
Die Torwartstube, Dürnitz, Hedwigskapelle die Gotische Halle und die Elisabethkapelle können für Privatfeiern, standesamtliche und kirchliche Trauungen, Konzerte, Ausstellungen, Stehempfänge und Tagungen gemietet werden
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Barrierefreiheit
• Am Parkplatz am Curaplatz gibt es drei ausgewiesene Behindertenparkplätze
• Separater stufenloser Eingang links vom Bergfried
• Alle öffentlichen Bereiche stufenlos über Aufzug erreichbar
• Kein barrierefreier Rundgang im Burgmuseum möglich (kein Aufzug vorhanden)
• Barrierefreier Weg und Rampe zum Stadtmuseum; im Innenbereich des Museums allerdings Treppen und Schwellen vorhanden
• Kein Blindenleitsystem vorhanden
Ausführliche Informationen über die Website der Burg
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Hunde
und andere Tiere dürfen nicht in das Staatliche Burgmuseum mitgenommen werden; für mitgebrachte Tiere wird keine Aufsicht angeboten; Hunde müssen auf dem Burggelände unbedingt an der Leine geführt werden
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Mit mehr als einem Kilometer Länge – genau 1051 Metern – ist die mächtige Burg zu Burghausen die längste Burganlage der Welt
Foto: © Marion Creyaufmüller
Nach Norden wird der Hof durch das mächtige Georgstor abgeriegelt
Foto: © Marion Creyaufmüller
Blick in einen der Vorhöfe mit Wehrmauer, Torturm und den ehemaligen Wirtschaftsgebäuden der Burg
Foto: © Marion Creyaufmüller
In dem Turm gleich neben dem Tor des dritten Vorhofs hatte der Amtmann seinen Amtssitz, in dem sich auch Gefängnisräume befanden
Foto: © Marion Creyaufmüller
Das Aventinushaus, ein ehemaliger Wehrturm, diente einst als Wohnung des Kaplans der inneren Burgkapelle
Burgverwaltung Landshut – Außenstelle Burghausen
Burg Nr. 48
84489 Burghausen
fon +49-8677-4659
www.burg-burghausen.de
Historische Ansicht:
„Ludwig VII. der Gebartete von Bayern“ – aus „Abbildungen bayrischer Regenten von Bavarus bis Sigmund. Desgleichen welfischer Fürsten“, 16. Jahrhundert (Ausschnitt) – © Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 2822, fol-39
Ein Gefängnis, das vielleicht gar keines war
Herzog Ludwig der Gebartete von Bayern-Ingolstadt verbrachte seine letzten Lebensmonate als Gefangener seines Vetters Heinrich des Reichen auf Burg Burghausen. Unter der Freitreppe des Palas befindet sich bis heute ein kleiner vergitterter Raum, der lange als sein Gefängnis galt.
Eine in den Putz geritzte mittelalterliche Inschrift schien diese Vermutung sogar zu bestätigen. Ganz sicher ist die Geschichte jedoch nicht: In einer Beschreibung aus dem Jahr 1573 wird der vermeintliche Kerker schlicht als Küche bezeichnet, und zeitgenössische Quellen lassen vermuten, dass sich Ludwig innerhalb der Burg durchaus frei bewegen durfte.















































